Mittwoch, 17. März 2010

Accra Accra Accra



Der letzte Eintrag ist ja schon wieder ein bisschen her, damals nach unserem Trip nach Winneba.

Vor einer Woche haben wir den nächsten Trip angetreten und damit ist natürlich auch wieder ein Eintrag fällig.



Der größte Nationalfeiertag hier in Ghana ist der 6. März, der Independeceday. Wenn das mal keine Gelegenheit ist sich in der Hauptstadt blicken zu lassen um sich das Spektakel anzusehen und auch wieder einen Hauch westlichen Einflusses zu spüren. Ein weitere traditioneller Brauch hier in Ghana kam uns hier ebenfalls zu Gute, denn wenn ein Feiertag hier auf das Wochenende fällt, und somit keinen zusätzlichen freien Tag mit sich bringt, wird er einfach am nächsten Wochentag nachgeholt. Der Montag war also auch frei und bescherte uns etwas mehr Zeit im Trubel der Großstadt. Glücklicherweise wurde am Freitag an meiner Schule auch nicht unterrichtet – es war Marschieren angesagt! Nächste Tradition zum Independenceday – Marschieren! Zum Einen wird bei der großen Veranstaltung in Accra groß aufmarschiert zum Anderen werden in kleineren Kreisen anscheinend in kleineren Kreisen unter Schulen Marschier-Wettbewerbe zu veranstalten. Statt zu lernen wurde in den letzten Wochen und gerade an den Tagen vor dem Independeceday also fleißig marschiert (Am Ende hat meine Schule übrigens den 3. Platz belegt). Ich konnte also direkt am Freitag Morgen nach Accra starten und erst am Montag musste ich mich wieder auf den Heimweg machen. Die Abfahrt nach Accra verzögerte sich leider etwas....mein Paket aus Deutschland ist angekommen (Hier nochmal ein großes Dankeschön an meine Eltern!!)! Was hab ich mich gefreut – BIS...ja bis ich den netten Herren vom Post Office kennengelernt habe. Fein gekleidet in seiner blauen Zollbehörden-Post-Mist-Uniform und seinem Hütchen nahm er mein Paket und die beigelegt Packliste gründlich unter die Lupe und tippte und rechnete dann drauflos. Nach einer meiner Meinung nach ziemlich willkürlichen Rechnung sollte ich dann übern Daumen gepeilt 50 % des Paketwertes nochmal als Steuer und Zoll zahlen, wahrscheinlich inklusive Handgeld für den netten Officer. Die nächsten 1,5 Stunden zusammengefasst: Leif dicker Hals, Officer beteuert das Geld sei ja für den Staat, Diskussion über einzelne Teile im Paket, Leif lässt sich die Rechnung erklären – Ergebnis: es wurde die klassische „Pi-mal-Daumen-Methode“ angewendet, unzählige erfolglose Versuche dem Post Officer seine Fehler zu erklären (alle Waren wurden mit 20 % Importduty und 17 % VAT/MwSt. Besteuert obwohl bei einigen der Satz sogar bei 0 % liegt), Officer war endlich auch genervt, Leif will endlich nach Accra, 160 Cedi (ca. 80 Euro) werden unter Vorbehalt gezahlt.

Ich habe also noch die schöne Aufgabe dem schicken Post Officer seinen Job ab zu nehmen und eine genaue Aufstellung der Steuern zu machen.

Vom Post Office gings direkt nach Hause um einen kurzen Blick in das Paket zu werfen.

Danach direkt die Abfahrt nach Accra.



Auf dem Weg nach Accra geschah es dann, endlich, nach 2 Monaten in Ghana, ich erlebte MEINE erste echte TroTro-Story! Eigentlich eine ganz angenehme Fahrt im TroTro letzte Reihe zwischen zwei jüngeren Damen, eine davon mit Kind. Auf halber Strecke SAH ich das es begonnen hatte zu regnen und kurze Zeit später SPÜRTE ich, dass es begonnen hatte zu regnen. Ihr müsst dazu wissen, das TroTro's Kleinbusse sind, die als Sammeltaxi benutzt werden und nicht unbedingt im besten Zustand sind. Unser Kofferraum war anscheinend zu beladen um die sowieso schon recht instabile Tür zu schließen. Wasser findet eben seinen Weg, besonders wenn am Ende des Autodaches ein riesiger Spalt offen ist. Wohin es den Weg gefunden hat ist wohl klar, direkt auf meine Rückenlehne. Mit Gepäck auf dem Schoß war aufstehen auch undenkbar – womit ich meine erste On-TroTro-Tour-Dusche bekam. Im Großen und Ganzen echt lustig, nur nicht für das Baby neben mir, vor 2 Minuten noch süßes, kleines Baby und dann plötzlich kleines, schreiendes Monster. Angekommen in Accra war mein Shirt auch schon wieder trocken und den nassen Fleck auf meinem Hintern hat anscheinend auch keiner entdeckt.

Endlich im Hostel! Gepäck abladen! Weiter! AFS Büro! Noch mehr AFSer haben sich wohl entschieden den Feiertag zu nutzen...sehr schön!

Also noch ein paar Leute aufgegabelt, beim Essen das erste mal über die Preise in Accra gewundert und dann zurück zum Hostel. Den Abend verbrachten wir mit viel Laufen! Auf der Suche nach dem richtigen Pub oder Club, für mich kein Problem ich bin da anspruchslos – ein gutes Bier gibt’s überall. Bei einer Gruppe von mehr als 10 Leuten gestaltet sich das natürlich schwieriger! Erst landeten wir in einer kleinen Straßenkneipe, die sich in den nächsten Tagen noch zu unserer Stammkneipe entwickeln sollte, von dort aus wurden wir in einen Pub geschickt, der sich als High Society Club herausstellte. Ohne den Eintritt von ca. 10 Euro zu bezahlen ( Türsteher zum anderen Türsteher „Hey lass die Weißen rein, die gehen ja sowieso gleich zur Bar und kaufen was“) also ab in die Nobelhöhle. Der Aussage des Türstehers wollte ich natürlich auch direkt folge leisten und ab an die Bar. Die meisten haben dann die Cocktailpreise abgeschreckt, so dass wir dann nur zu zweit am Tresen standen um unsere ca.4 €-“teuren“ drinks zu ordern – kein Havana, okay dann Captain Morgan, einfach oder doppelt?, was kostet doppelt?, 1 Cedi mehr, gibt’s auch dreifach?, nein!, dann doppelt!!

Danach ging die Suche weiter bis sich ein Teil der Gruppe entschied Bacradi zu kaufen und zurück zum Hostel zu gehen, klingt schlicht aber nett. Zum Glück hab ich mich aber doch von der lauten Musik über die Straßen zu einem geilen „Club“ tragen lassen. Eigentlich sind es nur ein paar Buden an der Straße aber es gab gute, laute Musik und alles war voller Menschen. Nicer place, also steil gehen! Drinks, Spaß und vor allem crazy Dances beherrschten die nächsten Stunden. Wie die Leute hier tanzen – unglaublich, das sieht fast so aus wie das was man sonst eher im Schlafzimmer sieht.

Später gings dann wieder zurück zu unserer Straßenkneipe in der der Barkeeper uns auch gleich unseren Wunsch erfüllte und eine fette 90er CD über die Boxen spielen ließ...NICE! PARTY ON!



Samstag früh, Spaß gehabt, heute muss aber was sinnvolles her. Es war also Sightseeing angesagt, toller Plan nur gabs wieder viele unterschiedliche Ansichten. Beim Frühstück wurde dann der Tagesplan aufgestellt und los gings. Erstes Ziel Legon University of Ghana. Wow, was für ein Komplex! Ich möchte also gerne in Ghana studieren, was? Egal, hauptsache Legon!

Alles hübsch angelegt mit viel Grün, einer großen Straße in der Mitte, stilvollen Gebäuden, Statuen und und und...es war einfach riesig!



Auf unserem Plan stand weiter unten auch noch die Accra Mall, aber da wir gerade in der Nähr waren änderten wir den Plan und fuhren zur Accra Mall, wo wir dann den Rest des Nachmittages verbrachten. Nice but strange, das triffts wohl. Die Mall ist echt schön und hat viel von einer westlichen Mall, genau da ist auch das „strange“ anzusetzen, denn man fühlt sich dort wie in einer Welt irgendwo zwischen Ghana und Europa bzw. dem Westen. Selbst einen Apple-Store hab ich gefunden (leider kein IPad zu sehen). Ich habe mich hauptsächlich darauf beschränkt den Supermarkt nach bezahlbaren westlichen Lebensmitteln zu durchstöbern. Teilweise waren die Preise echt heftig für westliche Produkte, z.B. ein Glas Nutella 17 Cedi und Käse war auch extrem teuer, leider!

Nach der Shoppingtour musste natürlich auch erstmal was essbares her und glücklicherweise konnten wir uns auch kulinarisch mal etwas westlicher Orientieren – BURGER! POMMES! Ein Traum!

Der Tag war inzwischen auch schon zu weit voran geschritten um die Sightseeingtour noch auszudehnen also - zurück ins Hostel und ab zur Beachparty.



Die Beachparty...WOW...so viele Menschen am! Gibts`s hier auch Sand und Meer? Denn ich seh nur Menschen! Gleich am Eingang ging`s dann schon wieder los mit dem Andrang auf die Weißen, jeder bot sich dir als Führer an um dir alles zu zeigen und mit dir zu feiern. Eine größere Gruppe Obrunies wird natürlich auch schnell erkannt und somit wurden wir am Strand dann auch gleich von einer Kellnerin zu einem netten Platz geführt. So saßen wir also einige Stunden, genossen die Musik, tranken kühles Bier, aßen traumhafte Pizza und ließen uns von der Masse an ,zum Teil sehr interessanten, Menschen berauschen. Sehr netter Spot zum feiern aber zum chillen am Strand absolut ungeeignet. Als der Strand sich langsam lehrte gings auch für uns wieder Richtung Stadt, wieder in unsere Straßenkneipe, in der wir schon mit einem Lächeln und dem besten aus den 90ern begrüßt wurden.



Sonntag früh machten wir uns dann direkt auf den Weg zum Sightseeing, ohne Frühstück...man kann ja unterwegs was essen. Falsch! Sonntag = Kirche, also stellte es sich als äußerst schwierig heraus Frühstück zu finden. Auf unserer Tour durch die Stadt haben wir uns dann ein paar Sehenswürdigkeiten angeschaut wie z.B. das National Theater, Arts Market und den Independence Square. Pflicht erfüllt nun ruft der Spaß – und wo kann man den besser haben als am Strand!

Mit dem nächsten Taxi gings also zum altbekannten Bojo Beach, an dem wir auch schon an unseren ersten Tagen in Accra mit dem AFS Team waren. Leider war die Sonne um 15/16 Uhr immernoch zu heiß um Volleyball zu spielen also musste erstmal ein schattiger Platz und Getränke her.

Der Sprung oder eher gesagt die Sprünge in die Fluten durften natürlich auch nicht fehlen, was ein schönes Gefühl wieder im Salzwasser zu baden und in den Wellen zu toben.



Am Sonntag Abend war dann gutes deutsches Essen angesetzt also gings in den einzigen deutshcen Pub. Was für ein Reinfall! Also wenn ihr mal nach Accra kommen solltet – Finger weg vom Aquarius! Deutsches Essen hat keiner bestellt weils sauteuer war (Schnitzel 27 Cedi) also gabs für alle nen Burger, der wie sich herausstellte mehr ein Appetithäppchen als ein saftiger Burger war.



Nachdem wir damit reingefallen sind etwas Neues zu probieren gings dann erstmal zurück zu alt bekanntem – unserer Straßenkneipe! Dort und später noch im Hostel ließen wir dann also den letzten Abend in der Hauptstadt ausklingen.



Am Montag gings direkt nach dem Frühstück los nach Oda. Diesmal ohne On-The-Way-Shower dafür aber mit ziemlich unfreundlichem Fahrer neben mir.



Nettes Wochenende, Accra ist also ein Ort den man gerne wieder für ein paar Tage aufsuchen kann aber dort leben wäre mir eindeutig zu busy!



Neben Accra gibt’s von den letzten Wochen wenig neues zu berichten. Immernoch bemühter Lehrer, immernoch eine tolle Familie und immernoch alles schön hier im beschaulichen Akim Oda.

Wobei ich zu meinen Erfahrungen als Lehrer sagen muss – Uff, anstrengender als ich dachte. Die zwei größten Probleme sehe ich eigentlich darin Kinder in ICT (Computer) zu unterrichten, die vielleicht noch nie einen Computer gesehen haben und zu dem tue ich mich noch schwer damit eine gute Balance zwischen Lehrer und Kumpel bei meinen Schülern zu finden. Zumindest zweiteres wird sich schon in den nächsten 10 Monaten noch ergeben und für das erste Problem werde ich schon eine Lösung finden.

6 Kommentare:

  1. Hi Leif,
    nett mal einen neuen Bericht zu lesen.
    War das Paket okay??
    Alles was du jetzt noch vermisstst war im Päckchen! Schade dass dich dieses wohl nicht erreicht!??
    Hier ist alles klar.
    wir hoffen bald mal Genaueres zum Paket zu hören / lesen ....
    Maike und Kalle

    AntwortenLöschen
  2. Hey Leif,

    wollte dir auch noch mal kurz einen Kommentar zukommen lassen.
    Super Bericht, toll zu lesen!! Man bekommt wirklich tolle Eindrücke.
    Bin schon gespannt auf den nächsten Bericht! Hoffe der Inhalt des Paketes war ok.
    Wir wünschen dir weiterhin viel Spaß in deiner neuen Welt und sind sehr sehr froh, dass es dir anscheinend gut dort geht und du es genießen kannst!!! Hoffen auch das du sagst wenn es mal nicht so ist.

    Wir denken an dich und finden es toll das du das machst!!!

    Ganz liebe Grüße
    Kalle

    AntwortenLöschen
  3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

    AntwortenLöschen
  4. hey leif,

    finds echt super cool, dass du das so gut durchstehst da unten... ist bestimmt nicht immer ganz einfach... bin mal gespannt, ob du hier wieder in den gewohnten tritt kommst, bei der ganzen wartetei da :)

    hier von sylt gibts eigentlich auch nicht so viel zu berichten... die eigene wohnung ist irgendwie immernoch ungewohnt, aber super cool.. endlich ist der schnee hier auch mal weg getaut.. das ging aber auch auf die nerven, man man man.. hab letztens mal mit dennis geschnackt, das wird das erste jahr an dem wir an vatertag nicht zusammen auf tour gehen :(

    hast du mir letztens eigentlich auch die sms geschickt wegen superbad? ja oder? habs voll verplant zu antworten... naja

    hoffe man hört mal wieder voneinander...

    Gruß Sönke

    AntwortenLöschen
  5. guten morgen :)

    na alles klar bei dir? wird mal zeit, dass du mit neuen infos aus ghana rüber kommst :) hier bei uns passiert nicht viel... arbeit ist ziemlich stressig momentan, aber naja.. fußball läuft mal wieder wie immer... am ende alles verspielen, aber das wirst du ja schon mitbekommen haben ;) wetter wird nun auch langsam mal besser... wird langsam zeit zum anbaden... naja sonst weiß ich auch nichts zu erzählen... ist immer schwer find ich, für uns ist das ja alles normal was hier passiert ;-)

    bis dann!

    gruß sönke

    AntwortenLöschen
  6. hallo leif,
    ich komme ende mai für zwei monate nach ghana. ich schreibe meine magisterarbeit über freiwilligendienste und würde mich freuen mit dir ein interview führen zu dürfen. wenn du magst kannst du dich mal (gaaaanz unverbindlich) bei mir melden: kaline@gmx.de . würde mich freuen von dir zu hören!
    liebe grüße,
    bettina

    AntwortenLöschen