Montag, 22. Februar 2010

Malaria und Hitlers Tod

Maha, ich lebe noch!
Obwohl ich gerade eine schwere Krankheit überstanden habe geht es mir wieder blendend!
Es scheint den Ärzten hier einfach auf der Zunge zu liegen jedem Patienten Malaria zu attestieren.
Genau aus dem Grund hatte eben auch ich Malaria – obwohl der Bluttest negativ war. Mein erster besuch beim Arzt war also sehr aufregend:

Nach 3 Tagen mit etwas erhöhter Temperatur und teilweise leichten Kopfschmerzen habe ich mich entschieden mal ein kleinen Check beim Arzt zu machen. In der Privatklinik war die Schlage an Patienten leider extrem lang, weshalb wir dann zu einem anderen Arzt gefahren sind. Nachdem ich mich mit dem Arzt 5 Minuten unterhalten habe und er an meinem Nacken schon eindeutig zwei Moskitostiche erkannt hat, aht er dann noch meine Temperatur gemessen (unterm Arm, nachdem ich bei einer Außentemperatur von ca.30° 15 min durch die Sonne gelaufen bin) Ergebnis: 40.6°.
Die Temperatur hat den Arzt gar nicht so sehr schockiert wie ich gedacht hätte. Daraufhin wurde ich dann auch mal kurz abgehorcht und für den Arzt stand fest ich habe Malaria. Natürlich habe ich mehrmals meine Bedenken geäußert weshalb der Arzt sich dann doch durchringen konnte einen Bluttest zu machen. Der Bluttest hatte ungefähr eine Stunde gedauert, denn erst musste ein Externer Arzt kommen um mir Blut abzunehmen und damit dann wieder ins Labor zu fahren. Nach weiteren 30 Minuten kam er dann mit dem erstaunlichen Ergebnis zurück: Negativ. Als hätte ich es nicht gewusst hatte der Arzt aber noch ein Ass im Ärmel, der Malaria-Erreger könnte ja noch in meiner Leber oder so sein und deshalb im Blut nicht messbar! Okay und jetzt? Nach weiteren 10 Minuten Diskussion haben wir uns dann auf Malariatabletten für Kinder geeinigt – ich hatte dabei einfach den Gedanken die Tabletten sind wohl stark genug um jeglichen Erreger aus meinem Körper zu spülen. Meine erste Malaria Erkrankung verlief also angenehmer als ich es erwartet hätte.

Da ich beim Arzt ja auch auf das in Ghana so gern gesehene Warten nicht verzichten konnte gab es auch genug Zeit um interessante Gespräche zu führen. Am interessantesten dabei die Aussage (sinngemäß) „Wo her willst du denn wissen, das Hitler im Krieg gestorben ist? Hitler hat nämlich noch bis 1977 in Südamerika gelebt. Als er dann gestorben ist wurde das groß in der Zeitung überall auf der Welt mitgeteilt“. Die deutschen Zeitungen haben da wohl was verpasst ;).

Ansonsten verläuft hier weiterhin alles sehr angenhem. Der Lehrerjob geht mir von Tag zu Tag leichter von der Hand und auch Klima, Essen usw. habe ich mich langsam echt gut gewöhnt. Viel außergwoönliches zu berichten ahbe ich eigentlich nicht mehr. Haben am Wochenende und auch unter der Woche eben viel mit den anderen Freiwilligen hier aus der Gegend gemacht, Tour durch Akim Oda, den Markt besichtigen, den Chief besuchen (war leider nicht da ;) ) usw. .

Diese Woche haben wir dann noch eine deutsche Besucherin bekommen. Eine ehemalige Freiwillige der Elite School. Sie ist echt nett und vergrößert unsere deutsche Gemeinschaft dann schon auf 4 Personen.

Am Wochenende geht es dann endlich mal an Strand ,nachdem ich das letzte Wochenende ja so „schwer erkrankt“ war und nicht fahren konnte. Morgen früh treffen wir uns alle also um 7.30 um unsere ca. zweistündige Tour im TroTro nach Winneba anzutreten. Ich denke ich werde mich heute noch mit etwas Bier bewaffnen, nur für den Fall das plötzlich Unterhopfung eintreten sollte.
Sand, Meer und vor allem mal wieder etwas Bewegung (die hier eindeutig zu kurz kommt) lassen mein Herz jetzt schon höher schlagen und ich hoffe wirklich es kommt nichts mehr dazwischen.

Achso ich kann euch auch mal eine kleine Preisübersicht geben um euch zu zeigen was das Leben hier so kostet ;):

500ml Wasser (auf der Straße) – ca. 0,025 €
3 Orangen – ca.0,10 €
Vanilleeis – ca. 0,20 €
Cola (im Pub) – ca. 0,35 €
30x500ml Wasser – ca. 0,40 €
eine ganze Ananas (natürlich frisch geschält und in Stücke geschnitten) 0,10 € - 0.50 €
Bier (im Pub, Star) – ca. 1 €
Bier (am Kiosk, Becks 0.5 oder Heineken 0.33) – ca. 1 €
DVD (mit 10 und mehr Filmen z.B. Harry Potter 1-6 und Herr der Ringe komplett) – ca. 1,50 – 2,00 €
Shorts (Reebok, wahrscheinlich gebraucht) – 1,50 €
Fußball (kein Leder) – ca. 2 €
10 Kartoffeln – ca. 2 €
Fußballschuhe (noname) – ca. 4 €

Wenn es sich also nicht gerade um westliche Produkte handelt, die hier eher selten gekauft werden, sind die Preise echt seehr billig. Man gewöhnt sich sehr schnell daran. Ich habe mich letzt gewundert, weil ich für Erdbeermarmelade (eher europäisches Produkt) ca. 1 € bezahlen sollte. Kein unnormaler Preis, aber wenn man sich hier an die Preise gewöhnt hat klingen 2 Ghana-Cedi schon viel im ersten Moment.

Jetzt hab ich erstmal Wochenende, gleich geht’s wohl noch in Pub und da wir heut so viele nette Leute im Haus haben (zusätzlich zu meinen Hostgeschwistern sind ja noch die andere Ex-Freiwillige aus Deutschland und eine AFS-Freiwillige aus Amerika hier) wird’s bestimmt noch ein netter Abend.

Ich versuch demnächst auch mal ein paar mehr Bilder im Blog hochzuladen, anfang nächster Woche damit ihr auch gleich den geilen Strand hier bewundern könnt ;). Ihr könnt mir im Gegenzug aber auch ruhig mal Bilder vom sibirischen Sylt schicken...cultural exchange eben!

Bye!


Update:

Leider hab ichs vor dem Wochenende nicht mehr geschafft den Beitrag online zu stellen, also hier auch gleich der Bericht aus Winneba.

Niiiice! Bei Strand, Meer, Salzwasser, Wellen, Sand und allem was noch so dazu gehört fühlt man sich ja gleich so heimisch. Allein die Palmen und die Temperaturen haben mich ab und zu daran erinnert auf einem anderen Kontinent zu sein – und natürlich die Tatsache, dass der Strand größtenteils leer war und die Leute, die zu sehen waren, waren schon sehr gut gebräunt.
Mein Leichtsinn was den Umgang mit der Sonne angeht hat mir natürlich auch meinen ersten leichten Sonnenbrand beschert. Einmal am Morgen mit Sonnencreme (Faktor 15) eincremen reicht also nicht für einen ganzen Tag am Strand, wieder was gelernt :D. Nach einigen angenehmen Stunden am Strand gings dann ,ziemlich erschöpft vom Schwimmen und Volleyball, auf die Suche nach einer Unterkunft. Eine sehr kurze Suche. 2 Hostels besucht, insgesamt ein Preisunterschied von 40 Cedi (20 €) machten einem die Entscheidung sehr leicht. So haben wir also für 5 Personen 35 Cedi bezahlt. Für den Preis gabs 2 nette Zimmer, je eine RICHTIGE DUSCHE (!) und einen gemütlichen Platz zum Chillen direkt vor unserem Zimmer. Der Eigentümer des Hostels hat uns dann auch gleich mal in die Stadt zum essen gefahren, netter Service für den wir uns dann mit einem Getränk im Restaurant erkenntlich gezeigt haben – eine kleine Geste mit großer Wirkung, denn der Eigentümer war spätestens ab diesem Zeitpunkt echt nett und zuvorkommend! Nach dem etwas späten Lunch gings dann zum Hotel – duschen, etwas hopfiges besorgen und ab and Strand zum „Sonnenuntergang“ (viel zu sehen gabs natürlich nicht, da der Strand nach Süden ausgerichtet ist). Sehr angenehm wars trotzdem, abgesehen von Leuten (Erwachsenen und Kindern), die sich einfach zu dir setzen oder sogar nach Geld fragen. Bisher muss ich echt sagen, dass ich echt selten nach Geld oder so gefragt werde, aber in Winneba war irgendwie alles etwas schlimmer. Das gleiche gilt auch für die Preise, um genauer zu sein die Preise für Weiße. In Winneba hatte ich wirklich das erste mal richtig das Gefühl, dass die Leute einen über den Tisch ziehen wollen. Auch wenn ich es grundsätzlich nicht fair finde, dass wir auf Grund unserer Herkunft und besonders unserer Hautfarbe mehr bezahlen müssen, habe ich kein Problem damit wenn ich letztendlich ein paar pesowas (Cent) mehr bezahle. Wenn wir aber ein Taxi nehmen 1,50 Cedi zahlen und für die gleiche Strecke 10 Minuten später 5 Cedi bezahlen soll liegt einem doch schon das Wort „Verbrecher“ auf der Zunge. Insgesamt kamen solche Situationen aber echt selten vor! Hier in Akim Oda wird man beispielsweise in 99 % aller Fälle fair behandelt.
Okay back to topic. Nach dem ein oder anderen Getränk am Strand gings dann in der Dunkelheit zur Lagoon Lodge um die dort so hoch gepriesene Bar zu besuchen. Ein lohnenswerter Besuch! Im Restaurant saßen mehr „Weiße“ als Einheimische, was einem gleich wieder ein kleines Gefühl von Heimat gab. Das nächste Stück Heimat kam dann mit der Speisekarte – PIZZA! POMMES (aus Kartoffeln und nicht Yum!) und CAPTAIN MORGAN (wie sich später rausstellte, gabs den leider nur auf der Karte, genauso wie Bacardi :( ). Die meisten Europäer im Restaurant waren sogar Deutsche, aber eine größere Gruppe Deutscher hatte anscheinend kein Interesse daran mehr Leute kennen zu lernen (Sind wir deutschen in Gruppen immer so??). Ein Deutscher gesellte sich aber gleich zu uns, aber auch er war leider etwas merkwürdig. Er ist zum zweiten mal für mehrere Wochen hier in Ghana, hat eine Partnerschaft zwischen dem College in Winneba und der Uni in Flensburg aufgebaut und weiß nicht was Twi ist UND hat noch nie das Wort „Obrunie“ (deutsch „Weißer“, was einem hier jeder hinter her ruft), gehört. Das hat mir erstmals gezeigt, dass man sich hier wohl wirklich als Tourist aufhalten kann ohne viel von der Kultur mit zu bekommen.
Als dann auch die Lagoon Lodge seine Pforten, zumindest für Besucher, schließen wollte entschlossen wir uns auf ein paar Amerikaner zu hören und in einen „Club“ zu fahren. Nach einem langen aber trotzdem sehr lustigen Marsch, auf dem wir einem schlafenden Wachmann seinen Job abgenommen und einem Auto die Tore zum South-Campus geöffnet haben (der Wachmann ist irgendwann doch durch das Hupen des Autos aufgewacht und hat uns an den Toren nur angeguckt :D), und einer kleinen Taxifahrt sind wir dann am „Kings and Queens angekommen“. Es war also ca. 23.30 eine gute Zeit um einen Club zu betreten, falsch! Alle waren am Aufräumen und gerade dabei zu schließen?! Blieb uns also nur noch ein paar Getränke zu kaufen und zurück zum Hostel. In gemütlicher Runde am Hostel nahm der Abend dann also ein angenehmes Ende.
Am nächsten Tag gabs dann noch einen Marsch durch die Stadt auf der Suche nach Frühstück, 1-2 Stunden am Strand, eine Dusche und zum Schluss eine Heimreise im TroTro, die einem gleich wieder einiges der so mühsam gesammelten Energie und Erholung wieder raubte.

Bilder folgen natürlich auch demnächst...aber der Upload gestaltet sich hier manchmal schwerer als gedacht. Ich bleib dran und bald könnt ihr euch dann hoffentlich ein noch besseres Bild von meinem Leben hier machen ;).

Bis zum nächsten mal!

5 Kommentare:

  1. Oh man... ich kann nicht mehr vor Lachen :D

    Hitler hat noch weitergelebt? ja nee ist klar ^^
    Du hattest Malaria, obwohl der Bluttest negativ war?:)

    Scheint echt spannend zu sein bei dir ;)

    Ich vermiss dich
    Ich meld mich heute oder morgen bei dir, versprochen!
    Ich hab dich lieb
    Deine Schwesti

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  2. Hallo lieber Leif,

    so schnell konnte ich die neue Nummer nicht aufschreiben - also bei Gelegenheit mal schicken.
    Ansonsten ist alles klar hier.
    Dein Bericht ist mal wieder sehr nett geschrieben.
    Wir freuen uns schon auf den nächsten.
    Lieben Gruß und bleib gesund
    Kalle und Maike

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  3. Hey Leif,

    wir hoffen bei dir ist alles klar. Hier hat es mal wieder geschneit, der Winter nimmt kein Ende.

    Diese Probleme hast du ja nicht, Herr Lehrer. Noch was wichtiges für dich: Hannover hat endlich mal wieder gewonnen!

    Wir hoffen das es dir weiterhin gut geht in deiner neuen Welt!!

    Lieben Gruß

    Deine Eltern

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  4. Huhu Leif!

    Na da bin ich ja beruhiged das es dir trotz Malaria gut geht!

    Meine pure Anwesenheit in Deutschland hat den ehemals Roten zum Sieg verholfen!!!...
    Kann also nur noch besser werden...

    greets
    Juli

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  5. Hallo Leif,

    geht doch, deine Roten haben wieder gewonnen!!!

    Wir hoffen, dass es Dir gut geht. Lass mal wieder was von dir hören.

    Ganz liebe Grüße

    deine Eltern

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